Freitag, Oktober 21, 2005

Weiße Weste.

Das hier, das ist der Herr Müller. Der Herr Müller kommt aus Bayern, also ganz im Süden.

Der Herr Müller ist ein Unternehmer und das, was in den Fabriken von Herrn Müller hergestellt wird, habt ihr sicher alle schon mal gesehen, wenn ihr im Supermarkt wart. Der Herr Müller stellt nämlich lauter Sachen her, die aus Milch gemacht werden. Naja, eigentlich stellen die Kühe die Milch her, aber der Herr Müller verpackt sie schön und sorgt dafür, daß sie in den Supermarkt kommen, wo ihr sie dann kaufen könnt.

Die Sachen, die der Herr Müller herstellt sind so gut, dass sogar der Herr Bohlen dafür Werbung gemacht hat. Weil der Herr Müller ein Unternehmer ist, hat er sich gedacht, er unternimmt mal was und baut eine neue Fabrik. Und zwar baut er sie in Sachsen, das ist ganz im Osten.

Eigentlich braucht niemand eine neue Milchfabrik, weil es schon viel zu viele davon gibt, und diese viel zu viele Milchprodukte produzieren, aber der Herr Müller hat sie trotzdem gebaut.

Und weil die Leute in Sachsen ganz arm sind und keine Arbeitsplätze haben, unterstützt der Staat den Bau neuer Fabriken mit Geld. Arbeitsplätze hat man nämlich im Gegensatz zu Milchprodukten nie genug. Also hat der Herr Müller einen Antrag ausgefüllt, ihn zur Post gebracht und abgeschickt.

Ein paar Tage später haben ihm dann das Land Sachsen und die Herren von der Europäischen Union in Brüssel einen Scheck über 70 Millionen Euro geschickt.
70 Millionen, das ist eine Zahl mit sieben Nullen, also ganz viel Geld. Viel mehr, als in euer Sparschwein passt.

Der Herr Müller hat also seine neue Fabrik gebaut und 158 Leute eingestellt. Hurra, Herr Müller. Nachdem die neue Fabrik von Herrn Müller nun ganz viele Milchprodukte hergestellt hat, hat er gemerkt, dass er sie gar nicht verkaufen kann, denn es gibt ja viel zu viele Fabriken und Milchprodukte.

Naja, eigentlich hat er das schon vorher gewusst, auch die Herren vom Land Sachsen und der Europäischen Union haben das gewusst, es ist nämlich kein Geheimnis. Das Geld haben sie ihm trotzdem gegeben.

Ist ja nicht ihr Geld, sondern eures. Klingt komisch, ist aber so. Also was hat er gemacht, der Herr Müller? In Niedersachsen, das ist ziemlich weit im Norden, hat der Herr Müller auch eine Fabrik.

Die steht da schon seit 85 Jahren und irgendwann hatte der Herr Müller sie gekauft. Weil er jetzt die schöne neue Fabrik in Sachsen hatte, hat der Herr Müller die alte Fabrik in Niedersachsen nicht mehr gebraucht, er hat sie geschlossen und 175 Menschen haben ihre Arbeit verloren.

Wenn ihr in der Schule gut aufgepasst habt, dann habt ihr sicher schon gemerkt, dass der Herr Müller 17 Arbeitsplätze weniger geschaffen hat, als er abgebaut hat. Dafür hat er 70 Millionen Euro bekommen.

Wenn ihr jetzt die 70 Millionen durch 17 teilt, dafür könnt ihr ruhig einen Taschenrechner nehmen, dann wisst ihr, daß der Herr Müller für jeden vernichteten Arbeitsplatz über 4 Millionen Euro bekommen hat.

Da lacht er, der Herr Müller. Natürlich nur, wenn niemand hinsieht. Ansonsten guckt er ganz traurig und erzählt jedem, wie schlecht es ihm geht. Aber der Herr Müller sitzt nicht nur rum, sondern er sorgt auch dafür, dass es ihm besser geht. Er ist nämlich sparsam, der Herr Müller.

Sicher kennt ihr die Becher, in denen früher die Milch von Herrn Müller verkauft wurden. Die schmeckt gut und es passten 500 ml rein, das ist ein halber Liter. Seit einiger Zeit verkauft der Herr Müller seine Milch aber in lustigen Flaschen, nicht mehr in Bechern.

Die sind praktisch, weil man sie wieder verschließen kann und sehen hübsch aus. Allerdings sind nur noch 400 ml drin, sie kosten aber dasselbe. Da spart er was, der Herr Müller. Und sparen ist eine Tugend, das wissen wir alle.

Auch hatte der Herr Müller mal Ärger mit Greenpeace, weil seine Milch gentechnikverseucht hätte sein können. Hat er aber auch ausgestanden, der Herr Müller.

19 Comments:

Anonymous fraufrank said...

oh, wie böse sie doch sein können, kleines f.
so böse.
von müdigkeit keine spur...

21.10.05  
Anonymous SirDregan said...

haben sies jetzt von Flensblog oder andersrum?

21.10.05  
Blogger F said...

Weder noch.

21.10.05  
Blogger fishcat said...

Den Herrn Müller habe ich bisher ja nur wegen der gentechnischen Milch boykottiert. Das hier ist aber noch ein zusätzlicher, sehr guter Grund, stelle ich gerade fest.

21.10.05  
Anonymous MC Winkel said...

Scheiße! Und ich stell´ mich hin und film´ mich beim Müller-Buttermilch trinken!

Große Nummer, KleinesF!

Ich werde mir ab sofort keine Produkte von diesem Nazi mehr holen.

True dat!

21.10.05  
Anonymous Christian said...

Das Beste ist ja: Der Herr Müller möchte bald auswandern, weil ihm hier die Steuern zu hoch sind. Ich kaufe schon lange nix mehr von dem!

21.10.05  
Anonymous Anonym said...

Und dann wohnt er noch aus steuertechnischen Gründen bei uns in der Schweiz, das ist auch sehr tüchtig, würgwürgwürg

21.10.05  
Anonymous Bernhard said...

Der Herr Müller hat nicht nur formalen Stress mit Greenpeace, sondern er hat auch schon ’mal den friedlichen Aktivisten weh getan und eine Kamera von einem Fotografen, der dabei war, kaputt machen lassen.

21.10.05  
Anonymous krankewelt said...

Ja, dass ist schon ne echt üble Geschichte und das schönste ist, dass der Staat solche Machenschaften auch noch unterstützt.

21.10.05  
Anonymous Firlefonz said...

Schöner Text!

22.10.05  
Anonymous Daniel said...

ich mag die Maus :)

22.10.05  
Anonymous tboley said...

Sehr schön geschrieben der Text. Und vor allem war. Was leider auch nicht vergessen werden sollte, daß der Herr Müller auch die Molkerei Weihenstephan gekauft hat.

22.10.05  
Anonymous Christian said...

Weihenstephaner gehört noch immer dem Freistaat Bayern. Herr Müller darf nur die Produkte herstellen, vermarkten und daran verdienen. Gehören tut die Molkerei trotzdem nicht ihm. Aber das ist alles schlimm genug!

23.10.05  
Anonymous Neo-Bazi said...

Ich habe diesen Beitrag gutgläubig am 22.10. auch veröffentlicht. Erhielt ihn von einem Bekannten aus München via E-Mail. Bei mir steht als Quelle Bastian Faste, Dipl.Ing. Maschinenbau, der Fa. euro engineering, München. Die in der E-Mail angegebene URL war jedoch nicht korrekt.
Ich habe Herrn Baste jetzt angemailt, um herauszufinden, ob er wirklich der Verfasser ist. Falls nicht, werde ich den Beitrag bei mir wieder löschen, obwohl er zweifellos gut ist.

Mich würde interessieren, woher Sie den Artikel haben. Gruß nach Kiel.

23.10.05  
Anonymous schoko-bella said...

hab letzte woche den text per email bekommen. macht grad die runde, hm?

23.10.05  
Blogger F said...

Die exakten Hintergründe wird ein Blog wie dieses nicht recherchieren können.

24.10.05  
Blogger Oles wirre Welt said...

begeistert bin ich trotzdem!

26.10.05  
Anonymous Anonym said...

und weil der herr müller nicht wie andere brave deutsche erbschaftssteuer zahlen will, aber die subventionen doch gerne auf seinem konto lassen will ist er abgehauen, der herr müller. nun ist er in der schweiz. die mögen ihn, weil er viel weniger steuer zahlt als in deutschland. müller milch, müller milch, ja die schmeckt. weil ganz wenig steuer drin steckt :-)) oder was?

27.10.05  
Anonymous Uwe Keim said...

Polemik. Nix als Polemik. Naja, scheint beim Volke anzukommen.

29.10.05  

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