Montag, Februar 27, 2006

Rio.

Ich arbeite schon länger an diesem Artikel, er heisst "Karneval ist gleich Rockkonzert", oder alternativ auch "Arme Sau". Er kann aber nicht zu Ende geschrieben werden, da er zu allumfassend angelegt ist, und zu sehr in die Tiefe will, aber nicht kann. Er handelt von Emotionen. Von Rockkonzerten. Vom Karneval, wo die Leute einmal im Jahr die Sau rauslassen, herumspringen, tanzen, singen, lachen, in Gefühlen baden. Genau wie auf Rockkonzerten, wohingegen diese schwarz gewandete Meute - genau wie die bunt schillernde - das ganze restliche Jahr über ihre Gefühle im Griff behält, hinter Sakko, Schlips und Küchenschürze versteckt oder trocken herunterschluckt. Ja, mir kommen Zweifel. Haben wir denn diese Emotionen noch, haben wir sie je gehabt? Oder sind die Emotionen, an die wir uns bei lauter Musik erinnern, nur eine Erinnerung dessen, was wir einmal für uns festgelegt hatten, was Gefühle sein sollten? Ist jedes echte Gefühl bereits abgetötet? Oder gibt es gar kein echtes Gefühl? Oder nicht mehr, und kann man das wieder wecken? Ist es im Alltag nicht so, dass wir geradezu Gefühle ausdrücken, produzieren, simulieren, die wir gar nicht wirklich haben, die wir aber je nach Lage und Situation für angemessen halten? Ist es alles nur noch gesteuert, angespannt, und darunter eine hohle Hülse?

Irgendwie ist es unscharf, was ich darüber schreiben kann, unwitzig, unbefriedigend. Wenn man sich die Darstellung von Emotionen in Cary-Grant-Filmen anschaut, dann fragt man sich unwillkürlich, ob die das ernst meinten. Aber vermutlich hatte diese Generation sich halt überwiegend Gefühle so vorgestellt, so ausgedrückt, so geschauspielert.

Letztlich werde ich diesen Post nicht zufriedenstellend zu Ende bekommen, deshalb lasse ich ihn jetzt so stehen. Ich bring es einfach nicht rüber. Trau keinem über 30. Und wenn mir jetzt jemand sagt, ich muss für mich selbst herausfinden, was mich glücklich macht, mich berührt, und ich muss selbst entscheiden, was ich davon zeigen kann und will, dem hau ich eins in die Fresse. Meine Frage ist doch eher, ob denn die Grundlage, dass es überhaupt Emotionen geben soll, nicht Tünnef ist, und was denn wirklich echt, was denn wirklich wahr ist. Schließlich lässt sich nichts wirklich ernsthaft vertreten, alles lässt sich entkräften, verkehrt sich ins Gegenteil, ist bei näherer Betrachtung irgendwie lächerlich.

Wo ist die wahre Freude hin? Hat die Angst sie gefressen?

Kommentare:

bittersweet choc hat gesagt…

je weniger gefühl, desto unangreifbarer. das ist doch so gewollt.

pulsiv hat gesagt…

das kommt so s/w-mäßig rüber... also ich hab auch hinter schlips und sacko meinen spaß. und ich wette, ne menge leute sind da auch so.

ist "Tünnef" eigentlich eine Abwandlung von "Dünnes"?

Patrick hat gesagt…

Alles Biologie. Machen wir uns da mal nix vor.

Oder was ganz anderes.

kein einzelfall hat gesagt…

Life is a tragedy to those who feel, and a comedy to those who think.
Horace Walpole

A very British approach, though.

mcwinkel hat gesagt…

Optimismus nur ein Mangel an Informationen?

Man muss sich einfach mal fallen lassen.
Auf sich wirken lassen.
Dann klappt das mit den Gefühlen. gerade bei Konzerten.

Zur Not hilft Alkohol.

GL hat gesagt…

Kann man nicht auch bei Zimmerlautstärke seine frohen Gefühle beim Hüpfen im Wohnzimmer rauslassen? Oder bei wirklich guten Straßenmusikern in der Einkaufspassage? Ich finde schon! Man darf nur keine Angst davor haben...

sabbeljan hat gesagt…

ist nicht alles was man fuehlt wahr? weil wenn nicht, gibts keine realitaet. und wenn dem so waeere, waere es auch egal, ob es echte emotionen gibt. oder?

insofern gerne auch die angst fuer bare muenze nehmen.

Der Ehlers hat gesagt…

So ist wahrscheinlich der Stoff zu Matrix entstanden.

SirDregan hat gesagt…

Angst frisst emotionen... klingt einleuchtend und dumm zugleich. Verwirrt mich irgendwie.
Aber komischerweise ist es nachvollziehbar. Ich denke ich weis was du damit meinst und projeziere das auch auf andere, genauso sieht es aus, jede Gefühlsregung könnte entkräftet werden, aber sollte sie das denn? Gute Gefühle sind entspannend, schlechte verspannend. Also locker bleiben und Hirn ausschalten, dann klappts auch mit dem fröhlich sein. Wer einem das mies machen will kann genauso entrkäftet werden indem man ihn auf seine verspanntheit hinweist.

http://trashersgold.twoday.net hat gesagt…

Bei der ersten Betrachtung, deines Posts würde ich denken es wären bewußtseinserweiternde Drogen die wirken. Bei der zweiten Betrachtung denke ich, du bist ausgebrannt. Beim dritten Mal denke ich dein Leben ist eingefahren, du lebst gerade eine Krise. Dir geht es beschissen zur Zeit. Leben und Emotionen, sind Reflektionen unserer selbst und unserer Umwelt. Der Tag an dem mich die größte Scheisse und das süsseste geheimnis kalt lassen, das ist der Tag an dem ich den Lauf auf den eigenen Schädel senke.
Der Alltag ist grau. Der Alltag und die Routine können kalt machen und nur noch Abschnittsweise Emotionen zulassen. Gerade solche Momente hypen, die vor längerer Zeit aktuell waren.
Lassen das hier und heute verblassen, obwohl es vielleicht gerade deswegen geil ist.
Angst ist ein Urinstinkt, der immer da ist. Aber Angst kann doch nur Freude kalt machen, wenn sie beständig ist. Wovor hast du Angst?
Glück ist immer da man muss es nur sehen können. Look at my Blog... Jedes Gefühl und gerade Glück, der letzte Beitrag...