Donnerstag, April 13, 2006

Truppen in Stellung.

Vor fünf Jahren, das ist ganz schön lange her. Vor fünf Jahren war ich mit meiner damaligen Clique in Dänemark. Das war ein richtig schöner, erholsamer Urlaub. Wir spülten das pelzige Gefühl im Mund morgens schon mit Bier weg, wir schluckten wie die Deiche bei Hochwasser. Wir gingen zusammen ans Meer und tollten durch die Wellen wie ein wilder Wald. Wir saßen in der Sauna und schwitzten zusammen wie die Zwiebeln. Wir spielten Poker bis der Morgen graue Schleier spann. Eine der besten Wochen ever. Die Clique war die Ersatzfamilie der Jahrtausendwende. Wenn´s nach mir gegangen wäre, hätte es auch immer so bleiben können.

Diese Gemeinschaft gibt es heute nicht mehr. Seit wir alle angefangen hatten zu arbeiten, sahen wir uns immer seltener. Zwei Pärchen haben Kinder bekommen und sind von heute auf morgen von der Bildfläche verschwunden wie Glatteis. Eine zog weg. Bei den anderen liefen die Interessen auseinander. Oder nein, das zu sagen wäre zu einfach. Die Interessen waren auch vorher schon verschieden. Wir waren überhaupt völlig verschieden, das machte ja gerade den Reiz aus, vom bräsigen Biobauern bis zum zutzeligen Juristen und nem Strich-Achter war alles dabei.

Aber irgendwie wurde ich eines Tages einfach nicht mehr angerufen.

Jetzt, fünf Jahre später, ist völlig klar, wie ein plötzlich wolkenloser Sternenhimmel, warum. Das eingespielte Team, die Rollen, die Ränge kamen in Unruhe und Zweifel. Alles war neu. Die Entspanntheit war weg. Die Angst nahm zu. Geld und Macht? Die ehemaligen Meinungsführer sahen ihre Leittierstellung als gefährdet an - entweder, weil sie einen nicht so tollen Job hatten oder das Studium nicht zu Ende brachten, oder weil die verordnete Harmonie, die die Truppe zusammenhielt, plötzlich durch ständigen Widerspruch gestört wurde. Auch klappte das Imponiergehabe nicht mehr, das vorher für Klarheit reichte. Die Steine kamen ins Rollen und rieben sich gegenseitig auf.

Ich fand es eben einfach blöd, pauschal alles Scheisse zu finden. Auf diesen kleinsten gemeinsamen Nenner hatte man sich damals nämlich geeinigt. Und ich hatte übersehen, dass eben auch Freundschaften nach den normalen Regeln funktionierten und kein Hort der grenzenlosen Freiheit und Offenheit sein konnten. Vertrauen, ha ha ha. Die vorher so scheinbar enge Gemeinschaft und Gemeinsamkeit war völlig durcheinander, alles war zerstört. Hiroshima im Kneipendunst. Und wer war Schuld? Ein Sündenbock musste her. Und zwar der, der die Ordnung in Zweifel gezogen hatte. Der Widersprecher, der das Leben, der Job und Freiheit genießen wollte.

Es war einfach Zeit, aber schmerzhaft.

Kommentare:

der.Grob hat gesagt…

ich weiß, wie das ist. wie ein wilder wahl durch die wellen zu tollen.

Frankie hat gesagt…

Aber dann ist es defintiv keine "richtige" Freundschaft

500beine hat gesagt…

und wer ist der widersprecher?
geh ich recht in der annahme, dass der einen blog führt?

Bateman hat gesagt…

Kann ich auch ein Lied von singen: 1990 mit über 17 Freunden nach Sarti (Griechenland) gefahren und heute bekommt man keine 5 Leute mehr zum WOE zusammen.

Die liebe Cousine hat gesagt…

Und so schmerzhaft es ist:
Gehört es nicht dazu? Lernt man nicht die Hoch-Zeiten wert zu schätzen? Jene, die waren, und jene, die noch kommen werden?

Pe Pe hat gesagt…

Ist es so, dass die Welt immer einen Schuldigen braucht?
Räumliche Distanz und die Veränderung der Lebensumstände führen in den meisten Fällen dazu, dass Freundschaften "einschlafen". Wenn nicht ständig jemand den Wecker spielt und dabei den Kontakt aufrecht hält ist eine solche Entwicklung normal. Leider, möchte ich noch hinzufügen.

SirDregan hat gesagt…

oh ja das kennen wir doch alle. Gleich mal vorweg: genialer Text, aber was bitte ist ein "Strich-Achter"?
grübel schon...

F hat gesagt…

Der.Grob, darüber würde ich gern Meer lesen.

Frankie, es fühlte sich aber lange so an.

500beine, war meine Geschichte so schlecht geschrieben oder haben Sie nur den Schluss gelesen?

Bateman, die Quote ist doch gut?!

Cousine, vielleicht, mit einem wehmütigen Blick zurück.

Pe Pe, das mit dem Einschlafen kenne ich auch. Ist meist aber weniger schlimm für die Beteiligten.

Sir Dregan, ein Mercedes-Modell, früher meist von Bauern gefahren, später von Studenten, die meinten, sie wären die allercoolsten.

pulsiv hat gesagt…

geben sie doch der vernunft schuld!

schroeder hat gesagt…

Aber irgendwie wurde ich eines Tages einfach nicht mehr angerufen.

hatte eigentlich damit gerechnet, dass irgendwann nochmal die Erkenntnis kommt, dass man auch hätte selbst zum Hörer greifen können. Ist ja auch ein Klassiker - mir zumindest nicht fremd.

Aber gut, die Geschichte hat einen anderen Weg genommen .-)

schoko-bella hat gesagt…

trösten sie sich damit:
nichts ist für die ewigkeit.
frohe ostern!

InternA1 hat gesagt…

Strich 8 ist Kult. Ich würde meine W203 mit rund 200PS gegen einen 2.0l Diesel /8 tauschen....

F hat gesagt…

Pulsiv, stimmt, darauf bin ich noch gar nicht gekommen.

Schroeder, in der Kurzfassung der ganzen Geschichte ist verlorengegangen, dass ich denen selbstverständlich mehrfach und monatelang, teilweise jetzt noch, hinterhergelaufen bin. Ich Idiot.

Schoko-Bella, auch nicht dieses Blog?!

Interna, ich kenne einen guten Händler auf dem Land... aber is nich billich.

Dies&Das hat gesagt…

Die Geschichte kenne ich ebenfalls. Ist mir hm, naja, so lala ach egal. Ich vermiss die Zeit, manche Freunde noch, auch wenn man ja angeblich nach vorn schauen soll. UNd tatsächlich gibts da vorn n anderen guten Freund, der zwar in Buenos Aires ist, den ich aber hoffentlich im Januar besuchen kann. Ist noch ne Weile...aber besser als nix