Freitag, Oktober 05, 2007

Räumen ab!

Nach dem Sex wollte ich eigentlich noch was Nettes ins Bett bringen. Deshalb hatte ich Sushi und Sake gekauft. Die hätte ich dann nackt und schwungvoll überreichen können mit einem frechen Spruch auf den Lippen wie "Hier: Zum Auffüllen von Fischgeruch." Na ja, war vielleicht nicht so durchdacht. Hätte auch gar nicht gepasst, meine Liebste riecht schließlich nach feinstem Samt. Auch nicht viel durchdachter scheint mir die neue Richtung der Pädagogik zu sein. Da soll man den Babys keine Vorschriften mehr machen, sie sollen alles selbst entscheiden. Wenn sie im Winter ohne Jacke raus wollen, sollen sie. Wenn sie keinen Spinat essen wollen, auch gut. Wenn der Schnodder mal wieder vom Kinn runtertrieft und man den Mund vor lauter Schleim nicht mehr sieht - nur putzen, wenn das Kind es sagt. Schon in Kinderkrippen werden Kinderparlamente eingerichtet, und wenn die entscheiden, es gibt jeden Tag Eis, dann gibt´s jeden Tag Eis. Wenn die beschließen, Unna zu bombardieren, wird ein Rüstungsprogramm aufgelegt. Und im Fall des Falles alle Möbel an die Decke genagelt. Frauenparkplätze abgeschafft. Es gibt kein Halten mehr, Unordnung wird selbstbestimmt. Demokratie und Verantwortung ab 12 Monaten. Wahlrecht mit Drei.

Ich bin sehr für Eigenverantwortung und starke Kinder, ich lasse so viel Freiraum wie möglich, eigentlich bis zur Selbstgefährdungsgrenze ("Selbst" bin in diesem Fall meistens ich). Jedoch weiß ich noch nicht, wie ich die neue, radikale Linie umsetzen soll: Als sicher gilt aber, nach einer alten Liedzeile sind die Kleinen eher keine Demokraten, sondern wahre Anarchisten.

Kommentare:

Oweh hat gesagt…

Entschuldigung, ich platze hier einfach mal so rein.

Nichts überfordert einen (kleinen) Menschen mehr, als sich entscheiden zu müssen.

Damit man Halt in der Welt hat, braucht es Dinge, an denen man sich festhalten kann. Kuscheltiere, Wände, Geländer, Begrenzungen. Der einzige Sinn und das ewige Sehnen der Trotzphase ist, rauszufinden, wo die Welt zu Ende ist. Und wenn dieses außer Sicht ist, droht Hysterie.

Wenn man nun alles selber entscheiden kann/muss/darf, findet man keine Grenzen, nur den Stress, den auch Erwachsene haben, wenn sie im grauen Nebel der Unwissenheit wählen müssen.

Wären die Pädagogiktheoretiker nicht so vergesslich, könnten sie eine Menge Sprösslinge der antiautoritären Erziehung der 70er in der Entzugsanstalt besuchen. Oder auf dem Friedhof.

File under: Alles schon mal dagewesen.

Heute so pädagogisch,
Oweh

Superhoschi hat gesagt…

Laissez fair?
Renaissance der antiautoritären Erziehung?
Soll´s probieren, wer will. Die Zeiten waren schon mal.

F hat gesagt…

Gern.

F hat gesagt…

Ich glaube, der Unterschied zum Laissez fair ist, dass hier ein Rahmen gegeben wird.

Alberto Green hat gesagt…

erinnert mich an einen Spruch in der Fernsehserie "Dr. House" letzte Woche: "Es gibt einen Grund dafür, daß wir Kinder nicht (...vergessen) Alkohol trinken und in Salzbergwerken arbeiten lassen. Sie sind Idioten!"

Passatuner hat gesagt…

Nene, Grenzen müssen sein und Antiautoritär geht mal gar nicht. Hatten wir das nicht schon mal vor bald 30 Jahren und es ging es nicht damals schon in die Grütze?

Aber das mit den Frauenparkplätzen ist eine gute Idee ;)