Donnerstag, Februar 04, 2010

Handball, Sex, Rotwein: Das Leben gelingt

Mit der Sonne aufstehen, der Frühling kommt, am 04. Februar.

Sicher gibt es viele Leute, die wie ich nicht gern zur Arbeit gehen, weil der einst gelernte Beruf nicht das ist, was ich heute gern machen würde. Denn die Berufswahl, die in der Regel nach der Schule getroffen wird, ist häufig durch viele querschlagende Faktoren beeinflusst, und nicht nur durch Neigung oder Eignung. Und wenn man sich umschaut, ein Bild des Jammers: Da gibt es die Ärztin, die gar nicht mit Menschen arbeiten mag, und vielleicht lieber gern Tischlerin geworden wäre. Da gibt es den Theologen, der die letzten 30 Jahre seines Berufslebens damit verbringt festzustellen, dass er gar keinen Glauben vertreten kann, der aber seine Pension nicht gefährden will. Auf der Schreibtischkante sieht man den Juristen, der jeden Tag versucht, die rechtlichen Grenzen auszuloten und der viel lieber Tischler geworden wäre. Und es gibt sicher auch den Kinderpfleger, der sich etwas anderes erträumt hat, als Dreijährige zur Toilette zu begleiten, und der auch gern Holz bearbeitet hätte.

Jedenfalls, bei mir ist es derzeit so, dass ich sehr auf die runde 40 zugehe und mich dementsprechend täglich frage, fängst du nochmal was Neues an, willst du den Job oder nur den Arbeitgeber wechseln, oder ist es möglich, sich soweit anzupassen, dass der Job wenigstens zwei Tage die Woche Freude macht? Oder genügt ein guter Verdienst als Schmerzensgeld, und reicht mir die Versorgerrolle? Warum nur ist es hier und mir so schwer, zu wechseln, was Neues zu machen? Und, die zentrale Frage, wie finde ich heraus, was mir Spaß macht?

Kommentare:

MC Winkel hat gesagt…

Siehste!

Wir haben nur ein einziges, gottverdammtes Leben. Soll auf dem Grabstein "stets pünktlich, loyal und freundlich im Umgang mit Kunden, gerne wieder!" oder "geil - er wurde glücklich!" stehen?
Muss man wissen.
Noch ist nichts zu spät.

Sahjah hat gesagt…

Filmtipp: Up in the air!

Katrin hat gesagt…

Kann ich nur unterschreiben, geht mir genauso ...
Allerdings möchte ich keine Tischlerin sein ;-)

F hat gesagt…

Katrin: Ich bin bei uns für´s Kochen zuständig, das macht mir Spaß und schafft Ausgleich.

MC: Vor das Glücklichwerden hat der liebe Gott aber ein paar Hürden gestellt.

Sahjah: Der Film macht glücklich?

amidelanuit hat gesagt…

ich glaube, dass in jeder berufswahl eines einigermaßen mündigen bürgers auch tatsächlich ein eigener anteil des wollens drin steckt. eagl wie sehr die entscheidung durch unreife, eltern, querschlägern beeinflusst war - sie hätten das nicht so lange durchgehalten, wenn es da nicht irgendetwas an dem beruf oder dem fachbereich an sich geben würde, der mit irgendetwas in ihrem charakter korrespondiert. ich zb. würde heute eher als spülerin in einer küche stehen, als dass ich als religionspädagogin arbeiten wollen würde. aber - ein teil dieser berufswahl stimmte, nämlich das soziale. also habe ich mir das passende berufsfeld für genau diesen einen teil gesucht.

ich sage das deshalb, weil ich persönlich finde, dass es eben mit knappen 40, einer versorgerrolle und anderen finanziellen verpflichtungen nicht mehr so einfach ist "was neues" zu machen. ich halte das bei bestimmten rahmenbedinungen (versorgerrolle, finanzielle verpflichtungen) für unrealistisch. aber - ich glaube, es würde schon helfen, wenn sie herausfinden würden, ob sie das was sie ja augenscheinlich sehr gut können in irgendeinem anderen bereich, einer anderen funktion einsetzen können. man muss nicht immer alles komplett neu beginnen oder radikal ändern, es geht auch mit einem gewissen umdisponieren oder einfach einer neuen sicht auf das berufsfeld. als bsp, weil ilch nicht weiss, ob sie hier ihren beruf verraten haben möchten: die ärztin, die nicht gern mit menschen arbeitet - die könnte in die forschung. denn offentsichtlich studiert man nicht ein so schweres und langes studium um am ende zu sagen "oh, fällt mir grad auf, ich finde menschen scheisse und würde gerne in ruhe gelassen werden." oder der theologe, der (sehr nachvollziehbarer weise) seinen glauben nicht mehr vertreten kann, der könnte weiter in der sozialen arbeit bleiben, weil ihm dieser anteil vielleicht grundsätzlich spass macht, aber dann eben ohne religion.

alle schritte sind mit einem wagnis verbunden und aus irgendeinem nicht nachvollziehbaren grund meint man immer alles radikal ändern zu müssen, bez. empfindet die kleinen änderungen viel anstrengender als die großen schritte. ich bin mir aber sicher zwischen "scheiss job" und "wow! DAS mach ich" liegt viel unentdecktes. und darüberhinaus: ich glaube auch, dass nicht jeder mensch für den radikalschritt gemacht ist und dann im grübeln versinkt, warum es so schwer ist für ihn, was neues zu beginnen.....

ich wünsche viel erfolg!

nora hat gesagt…

komisch, das sind so die fragen hier, in meinen kahlen, auf vorübergehen und später mal eingestellten wänden. aber ich muss nichts versorgen (außer meiner seele). und das ist ein großer unterschied.
neigungstests ist jedenfalls nur bedingt zu trauen. siehe "marionettenspiel".

podruga hat gesagt…

oh, sie wissen gar nicht, was sie lieber täten? das erschwert die gedankenspiele ungemein. die versorgerrolle mit gutem verdienst ist nicht die schlechteste.

Geertje hat gesagt…

Die Gedanken von Frau Ami gefallen mir sehr gut.

Ich muss nicht versorgen, "nur" hinzu verdienen. Insofern sehe ich meinen Job nicht als so wesentlich an. Es ist ok, dass ich sehr nette Kollegen, eine schaffbare und akzeptable Arbeit habe.

Was (auch?) mich irritiert ist der Umstand, dass ich nicht einmal sicher wüsste, was ich machen wollte, wenn einer käme und sagte, ich könnte noch einmal auf Null. Ich kenne meine Vorlieben und Stärken ganz gut, aber irgendwie ergeben die kein echtes Berufsbild. Und wenn doch, wäre das dann ein "Traumberuf", den ich für den Rest meiner Tage machen wollte?

Ich denke, dass Alltag und Pflicht immer am Lack kratzen. Dass das auch normal ist. (Und dass das Gras deshalb nicht unbedingt saftiger ist, im Nachbartal...)

Insofern ist der Gedanke der Optimierung vielleicht wirklich gesünder als der des Totalumstiegs. Zumindest wenn man da noch wen im Blick behalten will.

penjelly hat gesagt…

Ein radikaler Umstieg bringt meistens mit sich, dass man auf etwas, das man jetzt hat, verzichten muss. Das sollte man sich auch bewußt machen, das will man vielleicht gar nicht und später entbehrt man dann auch wieder.
Ich finde auch, man sollte den Grauwerten zwischen schwarz und weiß durchaus etwas mehr zutrauen ;)

F hat gesagt…

Hier alles Grau.