Sonntag, Juli 30, 2006

Auf Speed.

Hodenpflaster? Das dürfte doch eher zu Klöden gepasst haben. Ha ha ha.

Nein. Nach dem Interview mit dem ehemaligen Radprofi Manzano gestern abend im ZDF ist mir das Lachen im Halse stecken geblieben. Ich kann gar nicht mal erklären, warum ich so geschockt bin, hatte ich doch vorher schon an jedem Stammtisch erklärt, ich gucke die Tour de France sowieso nicht, weil da alle gedopt seien.

Manzano erklärte gestern, es sei unmöglich, die Tour ungedopt zu fahren. Hieße im Umkehrschluss, keiner der Fahrer dort sei ohne verbotene Mittelchen unterwegs. Die Teamärzte und Teams würden einen geradezu unter Druck setzen, dass man die vorgegebenen Sachen einwerfe, sonst sei man draußen. Es gäbe regelrechte Pläne der Teamärzte für Doping, einen angeblichen davon zeigte Manzano auch in die Kamera. Kortison, Wachstumshormone, Testosteron, EPO. EPO führe zu Abhängigkeit und dazu, dass man fahre wie mit einem Gasdrehgriff am Fahrrad. Hinterher sei man sehr ausgelaugt und niedergeschlagen, deshalb würden viele Fahrer Antidepressiva, Kokain oder anderes nehmen. Ein Team habe im Jahr etwa 350.000,- allein für Medikamente ausgegeben. Alle würden den Mund halten, denn es ginge um sehr viel Geld.

Die Kontrollen könne man manipulieren, in dem man sich etwas in den Penis schiebe, das die Probe unbauchbar mache. In das Blutdoping, das schwerer nachweisbar wäre, würden teilweise sogar Verwandte des Fahrers mit einbezogen. Das aufgeflogene Labor mit 200 Blutdopingklienten hätte dazu geführt, dass etwa 56 Fahrer gesperrt worden seien. Und die anderen 144 Kunden des Labors? Das seien Leichtathleten oder Fußballer gewesen. Und das wäre nicht das einzige Labor.

Wirft für mich ein schales Licht auch auf die Fußball-WM, und zukünftig auf jeden sportlichen Top-Wettbewerb. Wenn jetzt hier schärfere Gesetze gefordert werden, dann kommt mir das wie Aktionismus vor, denn in Italien und Spanien gibt es schon solche Gesetze.

Mir hilft da im Moment nur abschalten.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"in dem man sich etwas in den Penis schiebe"

da hat sich allerdings alles bei mir zusammengezogen, bäh.

tour de france, muss ich sagen, finde ich allerdings auch recht langweilig, ob die nun gedoped oder nicht fahren. ^^

Fräulein Wunder hat gesagt…

ich hab mich die ganze zeit gefragt, wie man so blöd sein kann und gedopt fahren kann, eben weil es diese regelmäßigen kontrollen gibt. gut, jetzt hätten wir also eine erklärung, dass manipulation wohl möglich ist ohne aufzufliegen. aber trotzdem: ich finde es weiterhin dämlich zu denken, dass man damit durch kommen könnte.

Anonym hat gesagt…

Na ja, es ist ja auch ein interessanter Wettbewerb, rauszufinden, wer womit am längsten durchkommt. Als Sportler muß man dann allerdings die Pharma-Experten betrachten, während die Athleten zum Sportgerät degradiert werden.

Anonym hat gesagt…

was solls. ich hol mein ein-gang-hollandrand auch nur aus dem keller, wenn ich kackendicht bin.

Die Muräne hat gesagt…

"...ich hab mich die ganze zeit gefragt, wie man so blöd sein kann und gedopt fahren kann..."

Wer nicht gedopt ist, kann im Profiradsport gar nicht mitmachen. Unmöglich! Dies gilt nicht nur für die TdF sondern zumindest für den ganzen Profibereich.

Mich regt ehrlich gesagt vor allem auf, wenn Kenner der Szene wie Organisatoren, Teamchefs und Journalisten bei "Aufdeckung" eines Dopingfalls öffentlich bekannt geben, wie "schockiert und enttäuscht" sie seien. Verlogene Bande!

Anonym hat gesagt…

Also das hört sich doch alles sehr spannend an, finde ich. Fahren wie mit einem Gasdrehgriff am Radl. Hinterher dann Kokain. Oder Antidepressiva. Wie wird man eigentlch Profi-Radler??