Dienstag, Januar 02, 2007

Explodierende Steine in einer Mauer aus Vertrauen

Recht früh schon hatte ich kapiert, wenn man beim Baden ins Wasser pupst, hat man gerade noch Zeit, einmal tief Luft zu holen und dann die Luft anzuhalten, um die Phase höllischen Gestanks schadlos und ohne Ohnmachtsanfall zu überstehen - denn Ohnmachtsanfälle in der Badewanne, ich bitte Sie, das wäre nicht gut. Pelze sind auch nicht gut, denn an Pelzen klebt Blut.

An einem Tag musste ich vor lauter Aufregung ziemlich häufig ins Wasser pupsen, das war 1984. Genaugenommen Silvester 1984, denn meine Mutter hatte mir versprochen, ich dürfte heute auch mal selbst Feuerwerk anzünden. Warum ich an diesem Tag extralange in der Badewanne blieb, kann ich heute nicht mehr genau sagen, vielleicht war es purer Zeitvertreib, vielleicht frühkindlich ausgeprägter Masochismus. Lebensgefährlich wurde es nie, jedenfalls nicht die Badewanne.

Es gab bei uns Silvester immer Fondue, so auch diesen Abend. Ich kippelte die ganze Zeit vor lauter Aufregung mit dem Stuhl herum und versuchte, möglichst gelassen die Fleischbrocken in mich hineinzustecken. Schließlich sollte mein Auftritt seriös und erwachsen sein, denn nichts fürchtete ich mehr, als das mitternächtliche Knallprivileg mit dem Hinweis zu verlieren, ich wäre wohl doch noch zu klein.

So konnte ich es auch kaum ertragen, dass meine Eltern um Mitternacht noch in aller Ruhe mit ihren Sekttulpen anstießen und sich umarmten. Wie konnte man hier drinnen rumknutschen, wenn draußen das wahre Leben tobte? Endlich ging die Tür auf, ich stürmte hinaus. Vor unserem Haus schon ein echt lautes Feuerwerk, alle Welt war fröhlich, und ich war jetzt endlich Teil dieser Welt.

Als erstes gab meine Mutter mir ein längliches Röhrchen, das ein Goldregen sein sollte. Ich war etwas enttäuscht, wollte ich doch eigentlich lieber knallen, doch schließlich erinnerte ich mich, dass mein Vater immer schon lieber bunte Lichtkugeln aus Vulkanen hat schießen lassen als Knälle aus Böllern. Ich rieb das Ding also an der rauen Fläche einer Streichholzschachtel an und hielt es von mir weg.

Eine ganze Weile geschah nichts, an der Spitze glimmte es einfach nur ein wenig. Als ich gerade nachschauen wollte, ob ich vielleicht noch einmal anreiben müsste, geschah es. Das Ding explodierte mit einem fetten Knall in meiner Hand. Ich riss die Augen auf vor Schreck. In meinen Ohren summte es. Die Hand war schwarz und tat höllisch weh. Meine Mutter kam angelaufen und ging mit mir rein, die Hand abwaschen. Zum Glück war noch alles dran, aber die Nacht der Nächte war für mich gelaufen.

Heute frage ich mich, kann man so blöd sein, Böller mit Goldregen zu verwechseln, oder wollte meine Mutter einfach mal wieder einen Krieg gewinnen?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hoppla!
Dann doch lieber in der Badewanne furzen.

dieLinda hat gesagt…

hihi, jaja, jeder muss so seine erfahrungen machen, ne? die einen mehr, die andern weniger schmerzvoller :)