Montag, Mai 14, 2007

Großstadtzeckenkäse

Da liege ich nichtsahnend im Gras, traue mich das erste Mal dieses Jahr aus dem T-Shirt heraus und tauche einen Zeh in die Fluten der Isar, nur ganz zaghaft tauche ich, obwohl die Isar ja wegen der Kraftwerke immer auf bester Badetemperatur ist. Kann ja nicht jeder wissen. Jedenfalls, da schallt es plötzlich ohrfeigenähnlichbetäubend: ZECKENANGRIFF!

Ohne sich vorher anzumelden, sogar ohne rechtzeitig den KRIEG zu erklären, schwang sich das riesige Mistvieh in einer TODESSPIRALE vom Baum... ach ne, war ja nur ein Jahrhundertgerücht... also, schwang sich der Gemeine Holzbock von Grashalm zu Grashalm und landete und biss... genau in den Knöchel der Liebsten.

ZECKENTERROR! Wo ist Schäuble, wenn man ihn braucht?

Da half keine Statistik. Hätte ich mir selbst noch einreden können, das schwarze Ungetüm, das natürlich bereits geflohen war, die feige Sau, war vielleicht nur ein Mistkäfer in Panik. Und die Chance, an Hirnhautentzündung zu erkranken, stand selbst in Verbreitungsgebieten (was die Isar nicht ist, die ist viel zu nass) bei läppischen 1:2000, und die anderen Krankheiten kann man sowieso nur impfen oder mit Antibiotika behandeln, und nur 1% der Fälle verlaufen tödlich, und das meist bei eher älteren Gebissenen, so könnte ich der Liebsten so nun schon gar nicht kommen. Sonst würde ich des Mordkomplotts beschuldigt und kopfüber in das steinernde Flussbett der Isar geschmissen, was ich nicht will, auch wenn es dort warm und ruhig zuginge. Warum eigentlich nicht?

Noch im SONNENTAUMEL brachen wir also auf, ein Krankenhaus zu suchen, auf das man in einer riskanten OPERATION die Zeckenpfote entferne. Heldenhaft würden wir die Infektions- und Fehlschnittrisiken einer Behandlung des sonnengebräunten Wochenendhilfsaushilfsarztes über uns ergehen lassen, damit dieser noch den Umsatz zusammenbekommt, ab dem seine Prämien endlich für die Zweitjacht reichen. Sogar Krüppel wollten wir dafür werden, nur um dieses Rüsselchen, dieses Rüsselsheim loszuwerden. Ganz ehrlich, wer würde meine Liebste nicht sein Leben lang schieben wollen?

Gar nicht so einfach, in der fremden, großen Stadt, mit teils fremden Sprachen, unter sengender Sonne des Feiertags. Das WASSER ging uns aus. Die BABYNAHRUNG wurde knapp. Die RÖCKE wurden knapper. Die SCHRÄGLAGE wurde von Kurve zu Kurve bedenklicher. Aber letztlich haben wir es geschafft. War nur ein Mückenstich.

Den Rest des Wochenendes versuchte ich, die Risiken und Chancen einer Zeckenschutzimpfung gegeneinander abzuwägen, scheiterte aber kläglich, da dieses Internet dazu nur Aussagen von Interessengruppen, Pharmaherstellern und Impfabhängigen enthält. Was erwartet mich noch außer Fieber und einen schmerzenden Oberarm? Naniten? Ich sehe gerade an der Kleinen, dass Impfen nicht immer eben gut verträglich ist.

Aber was mich eigentlich interessiert, ist: Wann kann ich beim Käse die Rinde mitessen und wann nicht?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wäre an der Ostsee nicht passiert!

F hat gesagt…

Salz in meine Wunden, Herr Winkel.

Anonym hat gesagt…

Isar?
Haben Sie jetzt schon Urlaub genommen oder fließt die Isar bis nach Spanien?
Nieder mit den Zeckenbissen oder Mückenstichen....

F hat gesagt…

Wochenende!

Anonym hat gesagt…

Bezüglich der Käserinde, da gab es eine Regel. Hatte irgendwas was mit Monaten mit r und ohne r zu tun, aber in welchen man die Rinde mitisst, habe ich mangels Eselsbrücke vergessen.