Mittwoch, Januar 09, 2008

Flügel

Auf dem Weg zur Arbeit sehe ich eine tote Taube auf dem Bürgersteig liegen, wie schlafend streckt sie einen Flügel schützend zur Seite. Aber der Blick ist gebrochen, auch ihr Genick. Fühle mich liebevoll solidarisch mit der Taube und wünsche ihr im Vogelhimmel nur das Beste. Hier unten ist ja derzeit eher Grau als Blau.

Ein Stückchen vor mit geht so ein junger Lockenkopf mit Jeans, den Schritt verlängert bis in die Kniekehlen, locker in der Hüfte, drei Strickpullis übereinander. Ganz weit vorne sehe ich sie. Ihm entgegen kommt ein Mädchen, fast junge Frau, mit einladend blondem Gestrüpp auf dem Kopf und einer Nase, ja, einer Nase. Kinn im Schal versenkt, ein süßer Wind. Die beiden Unbekannten sehen sich an, sehen sich zweimal an, sehen sich lange an, gehen aneinander vorbei. Ein paar Schritte weiter dreht er sich um, lächelt, grinst, freut sich, guckt ihr nach, geht rückwärts weiter. Sie senkt den Kopf, als spüre sie seinen Blick noch im Rücken, lächelt in sich hinein, legt ihre Hand auf ihr Herz.

Mein Tag hat gut angefangen. Es findet also noch statt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Schön! Der Tag und der Text

MC Winkel hat gesagt…

:)

Nach Regen kommt Sonnenschein.

Anonym hat gesagt…

endlich wieder ein hoffnungsvoller f.

mehr davon !

Anonym hat gesagt…

das gibt es noch, ja.
es gibt, glaub ich, alles noch, was es früher auch schon gab.
ausser pommesbuden auf der baumstrasse.
zum beispiel.
die sind verschwunden.

Anonym hat gesagt…

dafür les ich deinen blog.

Mimi hat gesagt…

hach...