Dienstag, Dezember 02, 2008

Terraineroberungsorganisation

Umzug mit Kind ist eine andere Liga, wenn nicht sogar ein anderer Planet, mindestens eine andere Postleitzahl. Ich lache inzwischen innerlich immer über kinderlose Leute, die von irgendwelchen unlösbaren Problemen erzählen.

Das Kinderzimmer stand bis zum Morgen des Umzugs völlig unberührt und in natürlicher Unordnung. Man konnte vorher ja nichts anfassen, ohne einen Schüttelfrostanfall und Verlassensangstgeheul auszulösen. Wenn ich vorher in Zeitpanik ein Spielzeug einpackte, dass seit einem halben Jahr nicht genutzt wurde, wurde mit tödlicher Sicherheit sofort danach gefragt und gefahndet, Verrat witternd. Am fraglichen Tag musste dann eben alles auf einmal über die Bühne gehen.

Dann, als das Kind morgens aus dem Haus war, rückte ich mit Bohrschrauber und zwei Akkus sowie diversen Kisten an, um das Ganze dann in die Sprinter und nach Transport in die neue Wohnung zu verfrachten. Japanerlike habe ich das Kinderzimmer in Pasing naturgetreu wieder aufgebaut, allein die Schrauben für das Bett habe ich nicht gefunden. Drei Minuten, bevor das Kind aus der Krippe kam, habe ich als letztes Detail die schöne Sonnenlampe angebracht. Als der Bohrnebel sich lichtete, hörte ich die Tür und aufgeregte Stimmen. Ich brachte das Kind unter schlimmsten Befürchtungen in das Kinderzimmer, zumal sie ohnehin gerade in einer Phase steckt, in der sie schlimmste Trotzanfälle zelebriert, und erwartete von Fieberanfällen bis fensterklirrenden Tobsuchtstiraden eigentlich alles Schlimmste.

Wir setzen uns in die Tür, ich erzählte ihr, dass ihr Spielzeug da ist, der Fuchsi, die Kuschelecke und ein paar neue Puzzle. Ich erklärte ihr, das Bett sei nun ohne Gitter, weil sie ja schon ein großes kleines Kind wäre und das nicht mehr bräuchte und fragte sie, wie sie es finde. Sie schaute sich lange um, das Gesicht wechselte einige Male die Farbe und entschied sich nach Ratlosigkeit und kurzem Kampf mit allen möglichen Ausdrücken dann für ein helles Strahlen und den Ausstoß eines freudigen "Suppppeeeeer!".

Mein Tag war noch nie so gerettet wie in diesem Augenblick.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Gerade mal die neue Gegend gegooglemapped; schick chique chic!

Anonym hat gesagt…

Man sagt heutzutage nicht mehr "Trotzanfälle", sondern man nennt das "Persönlichkeitsentwicklungsschub" oder so ähnlich.

Aber ansonsten fühle ich natürlich mit Ihnen. Wenn die Lütte so eine logistische Meisterleistung anerkennt, das ist für einen gestressten Papi wie Weihnachten und Ostern an einem Tag.

F hat gesagt…

MC, ja, so München Mittelklasse, nett durchwachsen, Flüsschen, Lädchen, Lifestyle, Grün.

Mark, ich weiß, sie muss sich abgrenzen. Aber ausgerechnet beim Strumpfhoseanziehen?