Freitag, September 04, 2009

Kein Fahren auf dem Gehweg, sonst auf ewig Bauchweh

Wenn in München drei Streifenwagen mit Blaulicht und Sirenengeheul über die Straßen brettern, dann denkt man unwillkürlich, na, da hat wohl jemand falsch geparkt. Diese etwas hochgehaltene Ordnungsliebe in der Stadt hat natürlich auch sein Gutes: Man kann seine Familie sorgenfrei fast überall auch abends noch herumspazieren lassen. Zucht und Ordnung in Münchner Kindergärten allerdings, wie ich bzw. Kind es jetzt erlebt haben, treiben mir die Zornesröte ins Gesicht. Da macht die Erzieherin am ersten Kindergartentag vor dem Kind einen Aufstand, weil das Kind noch nicht gänzlich trocken ist. Vorsintflutlich: Denn gerade bei diesem Thema ist Druck völlig fehl am Platz, da es um das Erlernen von Selbstkontrolle geht. Wenn Selbstkontrolle daraus resultierend auf Außendruck reagiert, ist das spätestens später Scheisse. Dann erklärt die Erzieherin das Kind kurzerhand zum Problemkind, weil seine Mutter nicht am ersten Tag im Kindergarten gleich gehen will. Eingewöhnung habe ich mir anders vorgestellt. Da wird das Kind, das vom Arm der Mutter gerissen wurde und völlig verstört wurde am Mittagstisch schreien gelassen, und als es vor Wut nicht aufhört zu schreien, wird das Essen auch noch weggenommen, da hast Du´s jetzt. Vorsintflutlich, da Bestrafung von Gefühlen. Solche Arschlöcher. Da lässt man das Kind vollgepisst rumlaufen, damit es lernt, sich umzuziehen und rechtzeitig auf Toilette zu gehen. Wenn das Kind auf dem Spielplatz ruft, es braucht Hilfe, fühlen sich die Erzieher in ihrem Privatgespräch gestört und meckern. Kontaktaufnahme Fehlanzeige.

Das ist mein Kind nicht gewöhnt. Das Kind muss da raus. Die machen mein Kind kaputt. Die sehen überhaupt nicht, was für ein tolles Kind das ist. Hauptsache, die Abläufe werden nicht gestört. Ich erwäge ernsthaft, den Kindergarten zu kündigen. Ich weiß nur keine Alternative.

Kommentare:

500beine hat gesagt…

hm. 1923, wie du schon sagtest.

Anonym hat gesagt…

haben die ihr wirklich das essen weggenommen? und sie vollgestrullert rumlaufen lassen? hat deine frau das mitbekommen?

kannst du oder ihr euch vorstellen dem noch ein bisschen zeit zu lassen oder versetzt der gedake euch eher in panik? denn wenn dem so ist, dann hört auf euer bauchgefühl. du klingst selbst schriftlich so alarmiert und besorgt, dass ich fast raten würde auch ohne alternative zu handeln...

wie schauts denn mit tagesmutter aus? oder kindergarten in richtung montessori/waldorf/wald/.....also diese ganzen alternativsachen. vielleicht passt das ja für euch besser?



(übrigens: ich darf nächste woche auch nicht am ersten tag bleiben. ich darf ben hin bringen und muss dann gehen. das kenne ich bis auf die krippe eigentlich bei allen kindergärten so....)

mark793 hat gesagt…

Hallo, was ist das denn für ein protofaschistisches Kinder-Bootcamp? Sobald sich irgendeine Alternative (siehe meine Vorredner) auftut: raus da mit dem Kind. Lieber weitere Wege in Kauf nehmen oder kürzere Betreuungszeiten, aber Hauptsache das Kind kommt in bessere Hände.

Anonym hat gesagt…

Das klingt einfach nicht gut und das ist nicht nur eine Frage des Bauchgefühls. Alternativen finden sich vielleicht hier: http://www.elterninitiativen-muenchen.de/pages/main.htm
Ansonsten las ich gestern, dass der Kindergarten Spielnest noch ein Kind sucht (in Neuhausen, sehr viel Gutes gehört, vielleicht zu weit weg?).

Ansonsten drücke ich die Daumen, dass ihr eine gute Lösung für alle findet. Der Kindergartenstart ist auch für die Eltern eine komplizierte Sache...

Gruß

Mascha

F hat gesagt…

500, ich weiß, nicht Dein Lieblingsthema.

Ami, bin hin und her gerissen, ob ich klammerndes Elternteil bin oder ob die spinnen.

Mark, da scheint München Bayern zu sein.

Mascha, ich werde da mal nachfragen.

jeanny hat gesagt…

raus da. rettet euer kind. da schaltet bei mir sofort der muddimodus ein und ich könnte kniepern. münchen, 1942 oder wie.

Anonym hat gesagt…

Kündigen und zum Abschied das hier schenken: http://www.amazon.de/Die-ersten-Tage-Eingew%C3%B6hnung-Tagespflege/dp/3589253363/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1252439086&sr=8-1

Katrin hat gesagt…

Huah, das klingt ja gruselig. Aber so ähnlich habe ich das hier in München auch erlebt - zum Glück vor der Anmeldung meiner Tochter !
Nun ist sie seit einem Jahr in einem privaten Kindergarten in Lochham, den auch ihr Bruder ab morgen besuchen wird, und der ist einfach GENIAL :-)
Die Kinder werden als vollwertige Menschen behandelt, nicht niedergemacht, sie dürfen Windeln tragen, solange sie diese brauchen, es finden unzählige interessante Projekte statt bei denen die Kinder viel wichtigere Dinge lernen als die Pisastudie fordert und alles in allem bin ich richtig glücklich mit diesem Kiga.
Ich hätte es NIE übers Herz gebracht, mein Kind in einer von diesen "Anstalten" unterzubringen, von denen es hier mehr als genug gibt.
Ich würde Euer Kind auf jeden Fall herausnehmen, bevor ihm der Kindergarten vermiest wird !
Im Kindergarten meiner Tochter sind viele Kinder, die erst psychische Probleme bekamen, bevor die Eltern endlich reagierten.
Liebe Grüße,

Katrin

F hat gesagt…

Noch keine Lösung... aber Danke, ich schaue mal auf der Karte, wo Lochham und Neuhausen liegen.